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Ob Dave Clarke nun wirklich daran Schuld ist, dass Justin Berkovis neues Album ganze drei Jahre auf sich hat warten lassen? Oder waren es die nicht exakt überlieferte Anzahl an Pints in jenem kleinen britischen Dorfpub, wo die beiden sich über ihre Musik und Karriere unterhielten? Jedenfalls, so Berkovis Anekdote, hätte der alte Techno-Haudegen bei ihm an jenem Abend einige Dinge in Frage gestellt und herausgefordert. “Ich habe danach plötzlich realisiert, dass mein neues Album so viel Zeit braucht, weil ich wirklich all mein Herzblut investierte. Waren manche meiner früheren Platten vielleicht hier und da auch Kompromisse,
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steht 'Passion' für meine totale Überzeugung, Hingabe und Leidenschaft für elektronische Musik.“
Nach dem für ihn sehr “schwierigen” Doppel-Album “Transit” auf Music Man (“Ich fand, dass diese zwei Platten meinen Sound insgesamt eher verwässert haben ...”) war es zwischenzeitlich etwas still geworden um den Briten, der 1998 mit seinem experimental-verspielten Album “Charm Hostel“ auf Force Inc. auf sich aufmerksam machte und danach für eine ganze Reihe an hochkarätigen Technotracks und Clubhits wie dem 99er-Knaller “You're so alien“ sorgte. Daneben lancierte er mit Predicaments und Nightrax zwei eigene Labels mit respektablen Veröffentlichungen.
Älter werden mit Techno
“Passion“ zeigt einen Berkovi, der älter geworden ist, an Reife gewonnen und dennoch nichts an Energie verloren hat. Die Tracks sind sorgfältig und mit viel Liebe zum Detail produziert. Dabei macht sich beim Briten auch die langjährige Erfahrung aus seinen Live-Sets im Studio bemerkbar: “Durch meine Live-Erfahrungen habe ich gelernt, wie man eine Crowd aufbaut und mit ihr umgeht, wie man die Dinge einfach hält und dennoch effektiv ist. Das neue Album ist ein Gemisch aus Live-Set und Studio-Produktion. So habe ich den Track 'I can feel the sound' beispielsweise zum ersten Mal vor zwei Jahren bei einem Live-Gig gespielt und immer wieder neu variiert, bis er schließlich für die Albumversion endgültig gesäubert und gestrafft wurde.“
Das Album ist durch ein kurzes Intro und Zwischenstück quasi zweigeteilt, mit “Rising“ knüpft Berkovi gleich zu Beginn an seine besten Zeiten an: eine tiefe, eingängige Bassline, hippelnde, weit nach vorne gerichtete Beats und locker dahingezwitscherte Soundsprenkler aus der guten alte Brighton-Schule. “Seventy days“ übernimmt mit gewaltiger Bassdrum und leitet zum ersten Peak “I can feel the sound“ über: Achtung Bass-Alarm! Mit “No tomorrow“ nimmt Berkovi dann geschickt Tempo raus und gleitet ganz tief hinab in Darkness und Elektro-Soul, bevor er mit “Beat the system“ und “Nightshade“ nochmals gewaltig Fahrt aufnimmt, bevor er am Ende mit “Never look back“ einen stilvollen und harmonischen Abgang zelebriert.
Berkovi inside
Natürlich, so Berkovi, hätte er sich auch diesmal von alten Detroit-Tracks inspirieren lassen, allerdings seien die meisten Ideen für “Passion“ in seinem “Innern“ entstanden, als eine Art Prozess des Zurückblickens und kurzzeitigen Innehaltens nach Jahren straighter Sause und hämmernden Beats: “Ich fühle mich sicherlich um einiges älter. Meine frühen Jahre waren ja ganz regelgerechte, alkohol- und jointgeschwängerte Nächte der fröhlichen Selbstzerstörung und ich habe jede Minute davon genossen, aber vermutlich kommt für jeden irgendwann einmal der Punkt, wo wichtigere Dinge in der Zukunft warten. Ich gehe gerne an ruhige Orte, um unter die Leute zu kommen, und ich denke, da bin ich mittlerweile nicht der Einzige ... Wer will schon noch auf diese Riesen-Raves mit tausenden von herumhängenden Menschen? Ich bevorzuge kleinere und intimere Orte, und ich hoffe, dass sich die elektronische Musik der Zukunft eher nach solchen Orten ausrichtet, als nach diesem mörderischen Krach für junge Kids ohne eigene musikalische Herkunft.“
So wird man in naher Zukunft auch wieder experimentellere Klänge des Sound-Derwischs erwarten dürfen: “Mein nächstes Album wird sicherlich eine befreiende Erfahrung werden, eine Art Antithese zu der ganzen Techno-Klopperei, etwas Dunkles, Tiefes und Emotionales. Etwas, dass den Verstand kräftig durcheinander wirbelt.“ Vorerst geht es mit dem neuen Material aber auf Tour. Da müssen im Augenblick auch seine beiden Labels hinten anstehen (“Ich mochte die Richtung nicht, in die Predicaments am Ende steuerte ...“), denn neben den musikalischen Outputs und Performances vermisst Berkovi als frischernannter Art Director einer Londoner Agentur gerade auch einmal die Grenzen zwischen Design und Musik neu.
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